ENTSTEHUNG DES SKI- & EISFASCHINGS

Jo Hammer, damals gerade 24 Jahre alt, war auf der Suche nach seinen Angehörigen, aus Köln kommend, über Dresden in dem Erzgebirgsstädtchen Geising sesshaft geworden. 

Dies war für die kulturelle Entwicklung der Stadt ein richtiger Glücksfall. Ältere Geisinger werden sich noch gern an die Thea­teraufführungen „Kater Lampe“, “Stülpner, Karl“ sowie „Robert und Bertram“ auf der rasch improvi­sierten Naturfreilichtbühne in der alten Kiesgrube hin­ter dem Sportplatz erinnern, in denen Jo Hammer Hauptdarsteller und Regisseur war. Da diese kleine Theatertruppe im Winter nicht auf ihrer Bühne spielen konnte, war es erneut Jo, der sich sagte: „Dann müssen wir eben den Menschen etwas Freude, Frohsinn und Heiterkeit in einem Saal darbie­ten“ und er wagte es mit „Karneval“, den er noch aus seiner Kölner Zeit in Erinnerung hatte.

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Die ersten Plakate wurden gemalt und die Leute strömten im Februar 1948 zu einer karnevalistischen Tanzveranstaltung in den Saal des Hotels „Stadt Dres­den“, das heute die Sparkasse beherbergt. In den Tanzpausen begeisterte man das Publikum mit selbst geschriebenen Sketchen und Jo übernahm mit seiner Frau Ilse die Regentschaft als Prinzenpaar in den Jahren 1948 bis 1952.
Der Geisinger Fasching war geboren!

Scheinbar fast mühelos führte Jo auf der Bühne als Ansager, Unterhalter, Spaßvogel, Prinz und bis zu sei­nem Tode im Jahre 2003 als Staatssekretär durch das Programm aller Faschingsveranstaltungen.
Seiner Arbeit ist es zu verdanken, dass der Geisinger Fasching bald über Stadt-, Kreis- und Landesgrenzen bekannt wurde und in den 60 Jahren ein immer grö­ßeres Publikum in seinen Bann zog. Dies gelang ihm durch „straffe Disziplin“ bei der Füh­rung der Bühnengruppen und des immer größer wer­denden Hofstaates.

Erfolgreich „begleitete“ er auch als Sprecher vor dem Hotel „Stadt Dresden“, dem Kino, der heutigen Spar­kasse und dem Rathaus die Umzüge, indem er zu jedem Bild einen passenden Spruch parat hatte. Und war Jo einmal verhindert, dann war es unser Faschingsfreund Heinz Schunke, der ihn auf der Bühne und auf­ der Straße erfolgreich vertrat.

  • 1952 zog man vom Hotel „Stadt Dresden“ in den Lei­tenhof, wo auch noch heute alle Prunksitzungen stattfinden.

In diesem Zeitraum kam man auch auf den Gedanken, Fasching mit Ski und Eis zu verbinden und dies wollte man am Faschingssonntag mit einem Umzug durch die Stadt tun.

Dies lief aber nicht alles von allein und in den Anfangsjahren wurden Freunde und interes­sierte Bürger, wie Hel­mut Friedrich, Walter Huhle (Kapelle und Musik) gefunden und viele ortsbezogene Faschingslieder ent­standen. Später kamen noch Faschingstexte und musikalische Ohr­würmer, insbesondere von Martin und Inge Andrich, Klaus Liebert, Hans Grießbach und Gerd Friedrich hin­zu.
Es entstanden u. a. die noch heute gern gesungenen Lieder:

  • 1953 „Einzugsmarsch des Prinzen“
    (Text: Jo Hammer, Musik: Helmut Friedrich), 
  • 1957 „Das ist ja alles Lüge“ und „Es schaut der Gei­singberg zur Kohlhaukuppe“
    (Text: Hans Grießbach, Musik: Oskar Heinrich und Günther Mühle), 
  • 1958 „Ziegengeising meck meck meck“
    (Text: Gerd Friedrich, Musik: Helmut Friedrich). 

Namensgebung, Symbol und Vereinsfahne

Anfang des 20. Jahrhunderts wurde Geising zu einem beliebten Wintersportzentrum Sachsens. Die idealen Bedingungen für das Skilaufen und springen, aber auch Schlittschuhlaufen (im Gründelstadion und auf der Natureisbahn Hüttenteich) zogen in den Winter­monaten tausende Sportbegeisterte in ihren Bann.
So war es nicht verwunderlich, dass diese Begeiste­rung für den Wintersport Anregung und Ausgangs­punkt zugleich für Name und Symbol des Geisinger Ski- und Eisfaschings wurde. 

Man erinnerte sich also an die fast 50 jährige sportli­che Vergangenheit der Stadt und so zeigte der erste Umzug neben wunderschönen “Wilhelm Busch“ -Schulgruppen (alle Schullehrer konnten für die Sache gewonnen werden und gestalteten mit ihren Klassen mit viel Lust, Liebe und Mühe die Umzugsbilder) auch jene alten Skiläufer auf Fassdauben.

Angeführt wurde der erste Festumzug bei bestem Wintersport­wetter von Familie Mäder. Sie traten mit entsprechendem Ski und der typischen Bekleidung wie zwei alte Norweger um 1840 auf, d. h. Fass­dauben, Lederknieho­sen lange Socken und nur mit einem Skis­tock. Mit einfachen Mitteln und guten Ideen wurden Umzugswagen hinter verschlossenen Höfen, Gara­gen, Scheunen, Türen und Toren „geheimnisvoll“ gebaut. Dieses Prinzip -„keiner darf mein Umzugsbild vorher sehen“ -wurde beibehalten und die Darstellungen wurden mehr und mehr dazu benutzt, um Kritik an bestehenden Verhältnissen (Alltag, Politik, Verwal­tung, Staat, Medien u. a.) zu üben.

Viele karnevalistischen Bilder mit ihren „Spitzen“ waren ein Ventil für
allen Frust, der irgendwann ein­mal abgelassen werden musste, ohne dass
man dafür groß belangt werden konnte. Das erregte schon bald Aufsehen
bei den Ratsmitglie­dern und Genossen des Kreises und des Bezirkes und
so schickte man Mitarbeiter der Staatssicherheit (un­ter
Faschingsfreunden als „Guck und Horch“ bezeich­net) regelmäßig nach
Geising, um die Teilnehmer im „Auge“ zu behalten. In den letzten Jahren
vor der Wende erreichten die „Meldungen“ die Regierung in Berlin.

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„Die Stasi und der Geisinger Fasching“ wurden bei RTL in der Sendung „Spiegel TV“ noch einmal poli­tisch ausgewertet. Mittlerweilen ist der Geisinger Ski- und Eisfasching durch die Medien republikweit bekannt.

In den ersten Jahren seit der Gründung 1948 war dem noch kleinen Führungskreis klar: „Wir wollen kei­nen Köl’schen Karneval kopieren. Unsere Heimat ist das Erzgebirge mit seinen Bergen und idealen Winter­sportmöglichkeiten.“ 

Und weil das so war, konnte die Darstellung des Sport-und Faschingsfreundes Horst Kliemt im Fest­umzug Februar 1956 sofort alle überzeu­gen: ein Skiläufer und eine Eiskunstläuferin sie im kurzen Röc­kchen auf seinen Hüf­ten schwingend.

So wurde diese Doppelfigur einstimmig zum Faschingssymbol erkoren; seitdem schmückt sie die Vereinsfahne. Wann genau, in welchem Jahr der Begriff „Ski- und Eis­fasching“ erstmals erwähnt wurde, war trotz Befragung älterer Faschingsfreunde, bisher nicht feststell­bar. Ebenso nicht exakt ermittelbar ist das Jahr, in dem zum ersten Mal und offiziell der Faschingsruf:

“PITSCHE-PATSCHE, PITSCHE-PATSCHE, NASS NASS NASS” erklang.

Günter Rosenkranz war es, der während einer der ers­ten Umzüge angesichts des herrschenden Schmud­delwetters diesen Ruf spontan erschallen ließ. 

Es ist immer wieder aufs Neue ein erhebendes Gefühl, wenn vor jeder Prunksitzung nach dem Einmarsch des närrischen Hofstaats die Fahne mit dem Wahrzei­chen des Geisinger Ski- und Eisfaschings durch die Faschingspolizei gehisst wird. „Legendär“ ist dabei die Meldung des Hauptmannes der Polizei an den Prä­sidenten mit der Losung des Abends.

Bei allen Umzügen und sonstigen Einmärschen wird diese Faschingsfahne mit dem gestickten Emblem von der Faschingspolizei stolz vorangetragen.

Natürlich werden auch alle Publikationen des Geisin­ger Faschings, wie Plakate, Eintrittskarten, Umzugs­plaketten und sonstige Werbematerialien sowie Prä­sente mit dem Maskottchen dem Skiläufer und der Schlittschuhläuferin versehen. Zwischen dem 11.11.2003 und dem Jahr 2010 verkörperten Peter Nestler und Sil­ke Herbrig dieses Symbol en natura, während sie als „Brett’l und Kufine“ die Prunksitzungen moderierten.

Am 05.07.1991 erfolgte die Registrierung als einge­tragener Verein unter der Bezeichnung „Ski- und Eis­fasching Geising e.V.“ mit all seinen in einem Statut festgelegten Rechten und Pflichten beim Amtsgericht in Dippoldiswalde. 

Seit 2005 existiert eine eigene Homepage, gefolgt von weiteren Social Media Auftritten.

Ausschnitte, Anekdoten und Kuriositäten aus den Faschingsumzügen und Programmen der Prunksitzungen

Höhepunkt einer jeden Session des Geisinger Ski- und Eisfaschings ist neben der Krönung des Prinzen bzw. Prinzenpaares am 11.11. zweifelsohne der Karneval­sfestzug am Sonntag vor Rosenmontag im darauf fol­genden Jahr. In Abhängigkeit von der Wetterlage und Intensität der Werbung zieht er immer aufs Neue tausende Schaulustige nach Geising, entweder zu Fuß, mit Son­derzug, -bussen oder eigenem Pkw.

Geschätzte Zuschauerzahlen:

  • Zum 10-jährigen Ski- und Eisfasching 7000
  • Zum 20-jährigen Ski- und Eisfasching 18.000
  • Zum 25-jährigen Ski- und Eisfasching 15.000
  • Zum 30-jährigen Ski- und Eisfasching 16.000
  • Zum 35-jährigen Ski- und Eisfasching 21.000
  • Zum 50-jährigen Ski- und Eisfasching 18.000

Natürlich fanden in den letzten Jahren auch in ande­ren Orten, so z.B. in Radeburg und Freital, am glei­chen Tag Karnevalfestumzüge statt. Das führt zwangsläufig zur „Abwerbung“ eines Teils der Besu­cher. Das heißt für uns, den Geisinger Fasching immer wieder attraktiv zu gestalten und in der Werbung nicht nachzulassen.

Umzug 1957

Auf der Ladefläche des Lkw von Alfred Behr war eine Mühle mit der Aufschrift „Altes Herz wird wieder jung“ aufgebaut wor­den. Immer dann, wenn der Müller (Her­bert Walther) und sei­ne Gesellen (Gottfried Rehn und Herbert Schindler) eine schwergewichtige, ältere Frau kopfüber in den Trichter beförder­ten, verließ anschlie­ßend über eine Rut­sche unter dem Beifall der Schaulustigen ein junges, schlankes Mäd­chen diese “Altweibermühle”.

Umzug 1958

Die überzeugende Dar­stellung des „Lügen­barons Münchhausen“ (in Anlehnung an den Film mit Hans Albers) durch Hans Grießbach war eine gelungene Kopie. Besucher und Mitwirkende im Umzug von damals erinnern sich gern daran.

Umzug 1962

Prinz Herbert II. (Wal­ther) will sich gerade mit ein paar Begrü­ßungsworten vor dem damaligen „Stadt Dres­den“ (der heutigen Sparkasse) an sein zahlreich erschienenes närrisches Publikum wenden, bevor er den Prinzenwagen besteigt. Da macht Martel Fischer (die damalige Kassiererin des Faschings), unterhalb der Stufen stehend, durch energisches Zupfen auf sich aufmerksam. Ein wenig verärgert über diese Störung beugt er sich zu ihr herunter und fragt: „ Was ist denn los, Martel?“ Sie meint daraufhin: „Herbert, dein Hosenstall steht offen!“

Umzug 1963

Im Faschingsumzug des regierenden Prinzenpaares Walter I. (Luft) und Brigitte (Brüske) bewegt sich ein mächtiger Lindwurm. In regelmäßigen Abständen ent­strömt seinen Nüstern, von Willi Richter gesteuert, ein zischender Feuerstrahl. Als sich an der Stoppstra­ße durch ein Missgeschick der gesamte Vorrat an Feu­erwerkskörpern gleichzeitig entzündet, fängt die Stoffhaut sofort an zu brennen. Fluchtartig kriechen an die 10 Akteure unter dem brennenden Wurm her­vor.

Im gleichen Umzug marschiert unter dem Hinweis „Reservisten der Zukunft“ eine Gruppe, barfüßig mit freiem Oberkörper und das bei minus 13°C. Kein Wun-der, dass sich „Minkel“(Wolfgang Schwentke) danach wegen Erfrierungserscheinungen in ärztliche Behandlung begeben musste.

Im Anschluss an diesen Festumzug fand, sehr zur Freude der Besucher und Umzugsteilnehmer, unter der Regie von Jutta Müller im Gründelstadi­on eine Eisrevue mit ihrer Tochter Gabi Seifert statt.

Umzug 1968

Prinz Frieder I. (Ehrlich) will aufgrund einer Einladung mit einer Delegation seines närrischen Hofstaates Krupka einen Besuch abstatten. Als sie Zinnwald pas­sieren wollen, wurden die Faschingsdegen des Gar­deleutnants und der Pagen vom Grenzschutz konfis­ziert. In Krupka (Graupen) angekommen, lieh man ihnen aus dem Heimatmuseum sofort“ Ersatzde­gen“.Leider waren diese echten Hieb- und Stichwaf­fen wesentlich schwerer als die ihrigen. So wurde der anschließende Umzug von Graupen nach Mariaschein für sie zur Tortur.

Umzug 1973

Es regiert Prinz Horst II. (Giegling).Wegen plötzlich einsetzenden Tauwetters muss die geplante Veran­staltung auf der damaligen Natureisbahn des Grün­dels ausfallen. Die Schneefiguren (Elefant, Eisbär und Seehund) auf der Karl- Sieber- Straße von Werner Stemme und der über Nacht vereiste Hirsch von Martin Andrich auf der Löwenhainer Straße überstehen hingegen diesen Temperaturanstieg während des Umzugs, sehr zur Freude der Besucher.

Umzug 1976

Das Umzugsbild ein Vogelhändler mit dem Plakat

„Su­che eine Frau, die gut zu Vögeln ist“

wird von den weibli­chen Zuschauern , wahrscheinlich alles Tierliebhabe­rinnen, mit großer Begeisterung aufge­nommen.

Umzug 1977

Ein Dauerregen während des Umzugs unter der Regentschaft von Prinz Rudolf I. (Braeske) setzt das Gründelstadion unter Wasser. Trotzdem werden durch die DEFA die Dreharbeiten für den „Augenzeu-gen“ fortgeführt.

Fasching 1979

Prinz Jörg I. (Liebert) regiert und findet die Frau seines Lebens. Am 11.11. des gleichen Jahres erblickt Sohn Henning (Hofnarr 2005/06) daraufhin das Licht der Welt.

Februar/März 1984

Prinz Karsten I. (Hesse) und sein närrischer Hofstaat fahren auf Einladung von Hans- Georg Ponesky nach Leipzig ins „Haus der heiteren Muse“.
Sie sind Mitwirkende in der beliebten DDR Fernseh­sendung „Alles singt“, das Geisinger Faschingslied von Helmut und Gerd Friedrich

„Ziegen Geising meck- meck- meck“ mit im Gepäck.

Februar 1985

Unter der Regentschaft von Prinz Heiko I. (Schwent­ke) und seiner Frau Marion spielen nach dem Umzug im Gründelstadion der Elferrat gegen die Prinzengarde Eishockey. Leider büßt im Eifer des Gefechts ein Gar­demädchen zwei Zähne ein. Daraufhin wurde in den Folgejahren diese „Sportveranstaltung“ nicht mehr durchgeführt.

Februar 1986

Prinz Mathias I. (Kadner) tritt seine Regentschaft mit zwei Hofnarren an, und zwar den erfolgrei­chen „Bühnendarstel­lern“ Norbert Rudolph und Ingo Greif. Bei einer Kälte von -15° C während des Umzuges frieren die Blechblasin­strumente der „Grenz­landmusikanten“ ein, so dass sie Mühe haben, ihnen die richtigen Töne zu entlocken

Februar 1985

Unter der Regentschaft von Prinz Heiko I. (Schwent­ke) und seiner Frau Marion spielen nach dem Umzug im Gründelstadion der Elferrat gegen die Prinzengarde Eishockey. Leider büßt im Eifer des Gefechts ein Gar­demädchen zwei Zähne ein. Daraufhin wurde in den Folgejahren diese „Sportveranstaltung“ nicht mehr durchgeführt.

Februar 1985

Prinz Mathias I. (Kadner) tritt seine Regentschaft mit zwei Hofnarren an, und zwar den erfolgrei­chen „Bühnendarstel­lern“ Norbert Rudolph und Ingo Greif. Bei einer Kälte von -15° C während des Umzuges frieren die Blechblasin­strumente der „Grenz­landmusikanten“ ein, so dass sie Mühe haben, ihnen die richtigen Töne zu entlocken

Februar 1987

Prinz Peter I. (Nestler) springt mir vielen anderen Kostümierten bei schönstem Wintersportwetter und ca. 15.000 Besuchern nach dem Umzug im Prinzenkostüm von der Schanze am Gründel.

Diese wurde dann später abgerissen und das lustige Faschingsspringen nach dem Umzug musste von da an ausfallen

Die erste Prunksitzung wird als Rentnerfasching aus­gewiesen. Programm und Tanzkapelle werden darauf ausgerichtet. Seitdem ist diese Veranstaltung inzwi­schen unter dem Motto: „Ein Abend für Junggeblie­bene“ ein beliebter Treff ehemaliger aktiver Faschingsfreunde. Die 4. Prunksitzung ist gleichzeitig die letzte Veran­staltung im Leitenhof vor dessen Umbau. Nach Aschermittwoch wird das Bühnenprogramm vor ehemaligen Mitarbeitern des VEB GISAG in Schmiedeberg noch einmal aufgeführt. Der Erlös kommt der Faschingskasse zugute.

November 1987

Am 11.11.87 wird Prinz Jürgen I. (Friedrich) in der HO Gaststätte „Geisinghof“ gekrönt.

Februar 1988

Die Prunksitzungen müssen in Bärenstein durchge­führt werden und als nach Beendigung der Veranstal­tung der Bus kaputt geht, läuft ein großer Teil des Hof­staates bei klirrender Kälte nach Hause. Die Umzugsteilnehmer der Gruppe Rauscher/Mäder erscheinen als Chinesen kostümiert. Mit Hilfe von gro­ßen Kartons, welche als Steine gekennzeichnet sind, errichten sie während des Umzuges eine mächtige Mauer. Immer wenn der letzte Stein aufgeschichtet ist, kann man lesen: „Wir bauen auf und reißen nieder die große Mauer immer wieder.“

Die unmittelbar dahinter agierende Umzugsgruppe Wiltzsch/Büttner aus Altenberg hat nichts Eiligeres zu tun, als diese Mauer immer wieder aufs Neue mit entsprechenden Bemerkungen, wie „Nieder mit der Mauer“ u. a. Einzureißen.

Als nach dem Umzug diese „Steine“ noch im Grün­delstadion angezündet werden, war es der Stasi zu viel – es folgten für die Akteure unmissverständ­liche Einladungen zur Kreisdienststelle, zwecks Klä­rung staatsfeindlicher Darstellungen und Äußerun­gen.

November 1988

Am 11.11.1988 wird Prinz Peter II. (Preuß) im Knap­pensaal in Altenberg gekrönt.

Februar 1989

Die Prunksitzungen finden wiederum in der Gaststät­te in Bärenstein statt. Die Bühnengruppe Braeske/Straube tritt als Hasen auf und singt den Liedtext „Hasen fressen gern Kohl“.
Im Sprechtext wiederholen sie dann „Wir wollen Kohl!“ – der Funke springt über in das Publikum und es schallt auf einmal laut­stark

„wir wollen Kohl … wir wollen Kohl“.

Wegen einer Warnung vor Aktivitäten der Stasi wird der geplante Auftritt zum Rentnerfasching im Kultur­haus Schmiedeberg kurzerhand abgesagt. Prinz und Hofstaat wandern anstelle dessen spontan auf die Kohlhaukuppe und feiern den „Frust“ bis weit in die Nacht rein ab.

November 1989

Prinz Wolfgang I. (Fried­rich) wird im „Sporthäu­sel“ gekrönt.

Februar 1990

Die Faschingsveranstal­tungen:
Einmarsch des Hofstaates und kleine Pro­grammdarbietungen fin­den in den Geisinger Gast­stätten „Sporthäusel“, „Ratskeller“ und „Gei­singhof “ statt. Kurioserweise ist das Kostüm des Prin­zen nicht auffindbar.

November 1990

Die Krönung des Prinzen Thomas I. (Zechel) erfolgte am 11.11.90 im Kinosaal.

Februar 1991

Die damalige Ehefrau von Prinz Thomas I., Jaqueline, wird nachträglich zur Prinzessin gekrönt. Die Prunk­sitzungen finden im Kinosaal statt. Da dieser nicht zu groß ist, können bei weitem nicht alle Kartenwün­sche erfüllt werden. In diesem Jahr fällt der Umzug wegen des Golfkrieges aus.

November 1991

Prinz Peter III. (Knabe) kann wegen eines Unfalles erst am 15.11.1991 im Gipsbein bei einer Veranstal­tung im Kinosaal gekrönt werden. Seine Prinzessin Kathrin nahm aber bereits traditionsgemäß am 11.11.1991 die Krone entgegen.

Februar 1992

Da dem Umbau des Leitenhofes noch nicht abge­schlossen ist, laufen die Prunksitzungen noch einmal im engen Kinosaal über die Bühne. Dieser wurde dann leider mit der Übernahme des Gebäudes durch die Sparkasse abgerissen.

November 1992

Die Krönung des Prinzenpaares Arnd I. (Straube) und Sigrid findet nach Jahren wieder im fast fertig gestell­ten „Leitenhof“ statt. Da der Fußbodenbelag im Res­taurant noch fehlt, wird während der Disko viel Staub aufgewirbelt. Man spricht im Nachhinein von der „Zementbar”.

Januar 1996

Erwirbt Andreas Glaser (genannt Elvis) für den sym­bolischen Wert von 1,- DM einen Robur Bus aus DDR Zeit.
Nachdem der obere Teil der Karosserie und die Sitze ent­fernt waren, dient der „Rest“ des Fahr­zeuges seit 1999 alljährlich als Unterbau und Fort­bewegungsmittel der Prinzenwagen.

Mit viel Liebe und tol­len Einfällen werden unter Anleitung des jeweiligen Prinzen und des Len­kers Exprinz Rumpi I. (Rudolf Bernhardt) sowie vielen fleißigen Helfern aus der Faschingspolizei und den Kanonieren wahre Kunstwerke hergestellt.

November 1997

Seit dem 11.11.97 erfolgt die Schlüsselübergabe durch den Bürgermeister um 11.11 Uhr im Rathaus. In den Jahren davor wurde der Rathausschlüssel wäh­rend des Umzuges durch den Prinzen vom Bürger­meister übernommen. Dieser stieg dabei auf den Prin­zenwagen und blieb dort bis zum Ende des Umzuges.

März 2000

Prinz Silvio II. (Wapki) und Prinzessin Susan (geb. Kleingünther) schließen in ihren Herrschaftskostü­men in aller Öffentlichkeit vor dem Ratskeller den Bund der Ehe.

Februar 2002

Während des Programms auf der Bühne fällt Andreas Straßberger an einen Marterpfahl gefesselt mit die­sem um. Hilflos am Boden liegend, spricht er geistes­gegenwärtig : „Dass ich so etwas kann erleben, hört wie meine Knochen beben.“ Am 11.11.2004 trägt Faschingsfreund Straßberger das Modell „Straßensperre“, 65 kg schwer und beste­hend aus mehreren Umleitungsschildern, Ampelan­lage, Rundum – Leuchte und Autobatterie.

Februar 2005

Der Motor des Prinzenwagens will einfach nicht anspringen und als Retter in der Not spannt sich Peter Thomas mit seinem Radlader davor und der Umzug kann, zwar mit einer halben Stunde Verspätung, star­ten. Seitdem steht ein Abschleppfahrzeug vorsorglich in Reserve.

Februar 2006

Als Prinz Atze I. (Legler) und Prinzessin Kathrin II. (Kadner) an der Sparkasse das närrische Volk begrü­ßen wollen, seilt sich ihr Hofnarr Henning (Liebert) -sehr zur Freude der Besucher -aus der 3. Etage des Gebäudes ab und nimmt in der 2. Etage einen Schluck Sekt.

 

Beim Versuch der Kanoniere, während des Umzuges eine Ladung Konfetti in ein offenes Fenster auf der Poststraße zu schießen, löst sich das Kanonenrohr und fliegt 10m weg. Wie gut, dass nichts passiert ist. Als der Prinzenwagen am Rathaus eintrifft, muss der Bürgermeister mit Pickel und Seil das „Gösselhorn“, einen am Rathaus errichteten großen Schneehaufen, besteigen.

Wie schon geschrieben, gibt es unseren Fasching nicht ohne Ski und Eis, sofern Petrus mitspielt. Mit viel Liebe, Fleiß und Ideen gestalten die Einwoh­ner vor ihren Häusern Schneefiguren aus allen Berei­chen (Tiere, Nussknacker, Sagen- und Witzfiguren). Diese am Straßenrand kunstvoll errichteten Schneefi­guren sind immer ein besonderer Blickfang für die Besucher des Karnevalfestzugs, vor allem ein beson­derer Anziehungspunkt für Kinder, die sich gern von ihren Eltern mit ihnen fotografieren lassen.

Nach den Umzügen und Programmen im Gründelsta­dion zog der Hofstaat und die einzelnen Umzugsteil­nehmer bis Mitte der 80er Jahre zum „Weiterfeiern“ von einer Geisinger Gaststätte zur anderen und abends fand man sich dann wieder zum gemeinsa­men Tanz im Leitenhof ein. Dies „zerriss“ aber das Faschingsvolk und die Besu­cher konnten nicht mit einbezogen werden.

Mit dem Aufbau eines großen Zeltes neben dem Sta­dion wurde dieses Problem gelöst und es findet seitdem im Anschluss an den Karnevalfestumzug eine gemeinsa­me Faschingsparty „aller“ statt. 

Bereits über viele Jahre verbinden den Geisinger Ski- und Eisfasching enge freundschaftliche Bande mit anderen Faschingsvereinen, insbesondere mit Bad Schandau, Fürstenwalde und Dippoldiswalde sowie mit Ruppendorf, Obercarsdorf, Hermsdorf/E. und Sed­litz aus der Niederlausitz.

Diese nehmen am Umzug und den anschließenden „Geschehnissen“ im Gründel aktiv teil, so zum Beispiel beim Eisstockschießen um den Wan­derpokal des Bürgermeisters. Gegenseitige Besuche bei besonderen Anlässen erneuern und vertiefen diese Freundschaften.

Einer der wohl interessantesten Umzugsteilnehmer war vor allem nach der Wende bis kurz vor seinem Tod – unser unvergessener Faschingsfreund Hans Fran­ke. Durch seine einmaligen, witzigen Einfälle und seine überzeugende Kostümierung sowie ausdrucksvolle Darstellungskunst zog er die Blicke auf sich und hatte jedes Mal die Lacher auf seiner Seite.

Aber auch auf der Bühne war er an der Seite von Heinz Mende und Gerhard Krusche ein ganz Großer. Bescheiden und gleichzeitig schwer waren die Anfän­ge unserer heutigen Bühnenprogramme und Prunk­sitzungen, weil die wenigsten Faschingsfreunde der „ersten Stunde“ über karnevalistische und schau­spielerische Kenntnisse und Fähigkeiten verfügten

-mit Ausnahme von Jo Hammer -,

beschwerlich, weil, wie bei den Umzügen, die staatlichen Kontrollorgane das Geschehen auf und hinter der Bühne überwach­ten.

Kritik am sozialistischen Staat und seiner Politik war unerwünscht und zog unter Umständen Repressalien nach sich. So waren die Darbietungen vieler Gruppen bzw. Einzelpersonen auf der Bühne oftmals eine ris­kante Gratwanderung zwischen Erlaubtem, Verpön­tem oder sogar Verbotenem. Natürlich hatte dieser Zustand seinen besonderen Reiz und prickelnde Brisanz und führte bei den Zuschauern zu einer ganz bestimmten Erwartungs­haltung.
So wurden versteckt vorgetragene Kritiken mit Wor­ten geschickt, aber unmissverständlich umschrieben, mit entsprechendem Kostüm und nun schon mit fast professioneller Gestik und Mimik verstärkt oft mit großem Beifall quittiert.

Mit der Wende fiel dieses interessante Versteckspiel weg. Die Akteure auf der Bühne mussten und müssen immer wieder nach neuen Ideen, Mitteln und Mög­lichkeiten suchen, um ihre Zuschauer zu begeistern. Ein fester Bestandteil des Programms sind die Schau­tanzdarbietungen der Prinzengarde. Ihre Tänze haben mittlerweile ein hohes Niveau und müssen durch ständige Zugabenrufe der Zuschauer oft zwei- bis drei­mal aufgeführt werden.

Weitere Aktivitäten und Veranstaltungen aus dem Vereinsleben

Der Faschingsdienstag (Fastnacht) ist von jeher für den amtierenden Prinz bzw. das regierende Prinzen­paar ein besonderer Tag. Vor 8 Uhr morgens von den Kanonieren durch einen Böllerschuss geweckt, erscheinen kurz darauf Elferrat mit Hofnarr und Pagen, Prinzengarde und Faschings­polizei zum obligatorischen Prinzenfrühstück.

Doch viel Zeit zum Verweilen bleibt ihnen nicht. Um 9.30 Uhr ist ein Besuch im Kindergarten fester Bestandteil des Tagesprogramms. Der darauf folgende Umzug durch den Ort mit den kleinen, bunt kostü­mierten Narren ist für diese ein großes Erlebnis.

Bereits 11 Uhr findet man sich zu einem kleinen Imbiss im Rathaus ein, um anschließend den Geschäften längs der Hauptstraße und den beiden Arztpraxen einen Besuch abzustatten. Und da man überall bewirtet wird nicht nur mit Spei­sen, sondern auch „geistigen“ Getränken fällt es man­chem Minister und Faschingspolizist schwer, pünkt­lich 14 Uhr im Leitenhof zu erscheinen.

Dann beginnt hier der Kinderfasching mit seinem mitt­lerweile zur Tradition gewordenen Pfannkuchen-Essen.

Nach einer kurzen Ruhepause findet sich der gesamte Hofstaat (meistens vollzählig und pünktlich!) um 19.30 Uhr zur letzten Veranstaltung im Leitenhof ein. Mit Auszügen aus dem Bühnenprogramm, bei Tanz und Unterhaltung steuert man dem letzten Höhe­punkt zu. Pünktlich 24 Uhr erfolgt dann das immer wiederkehrende bewegende Zeremoniell der Entkrö­nung des Prinzen bzw. Prinzenpaares und des Narren. Nicht selten werden ihnen unter Tränen der Freude, Entspannung, aber auch Wehmut Krone und Zepter abgenommen und reichlich Asche (Konfetti) auf ihr Haupt gestreut.

Nach einer kurzen Ruhepause findet sich der gesamte Hofstaat (meistens vollzählig und pünktlich!) um 19.30 Uhr zur letzten Veranstaltung im Leitenhof ein. Mit Auszügen aus dem Bühnenprogramm, bei Tanz und Unterhaltung steuert man dem letzten

Wenn nach Aschermittwoch die Faschingssession beendet ist, erfolgt innerhalb des Elferrats eine kriti­sche Auswertung des Verlaufs der zurückliegenden Prunksitzungen und des Karnevalfestzugs. Schließ­lich geht es darum, aufgetretene Fehler und Mängel aufzuzeigen, um sie künftig vermeiden zu können. Dabei wird auch eine „Dankeschönveranstaltung“ für alle fleißigen Helfer, ob im Umzug, vor, auf oder hinter der Bühne, am Straßenrand, für die Sponsoren und Aktiven vorbereitet.

In diesen Veranstaltungen kann man bei den kulturel­len Beiträgen entspannt zuschauen und muss erst beim Essen und Trinken aktiv werden.

In der „Dankeschön-Veranstaltung“ vom 05.05.2007 im Gründelstadion war z. B. der Auftritt der „Eiersieder“ Höhepunkt des Abends.

Ende der 80er Jahre
äußerte der Klub der Werktäti­gen den Wunsch, zu den „Tagen der Lebensfreude“ den Faschingsverein mit einzubeziehen. So wurde unter der Präsidentschaft von Dieter Rudolph ein Sommerfasching durchgeführt.
In einem Festzelt neben dem Gründelstadion wurde nach den Einmärschen des Hofstaates ein völlig neu­es Bühnenprogramm aufgeführt. Sogar ein Auftritt in Badekleidung am Hüttenteich im Juli 1989 mit Ski­springen über eine Rutsche ins Wasser stand auf dem Programm. Wegen der zusätzlichen organisatorischen Aufwen­dungen, aber auch wegen des Fehlens vieler aktiver Faschingsfreunde, die ihren Sommerurlaub angetre­ten hatten, musste diese Veranstaltung wieder einge­stellt werden.

Mitte der 90er Jahre
wurde außerdem der Versuch unternommen, am Abend des Rosenmontags eine Kulturveranstaltung mit prominenten Künstlern im Leitenhof zu organisieren. So traten u. a. die Gruppe „Ungelenk“, Opa Unger und Achim Menzel auf. Wegen der zu geringen Besucherzahlen verzichtete man auf weitere Veranstaltungen dieser Art.

Seit Februar 2004
treffen sich am Rosenmontag­abend ehemalige Elferratsmitglieder, Prinzen und Akti­ve zu einer Art Stammtischrunde in der Bergbaude „Zur singenden Wirtin“ oder im“ Berghotel Schellhas“. Nach dem gemeinsa­men Abendessen findet ein kleines Kulturprogramm statt (z. B. Auftritt der „Eiersieder“). Anhand ausgestellter Dokumente und Bilder, aber auch mittels Diavortrag bzw. Videofilm werden alte Erinnerungen wieder wachgerufen und so Traditio­nen, wie das gemeinsame Singen Geisinger Faschingslieder bewahrt.

Diese sind, wie schon erwähnt, Mitte der 50 er Jahre geschrieben und komponiert worden. In einer Art Faschingsschlager Wettbewerb wurde das schönste Lied prämiert. Diese Initiativen sind leider nicht mehr zu verzeich­nen, wahrscheinlich unserer modernen Zeit mit ihren vielfältigen Medien geschuldet. Selbstverständlich hilft der überwiegende Teil dieser „Ehemaligen“ bei der Vorbereitung der Veranstaltun­gen des Ski- und Eisfaschings weiter mit. Aber auch der sportliche Aspekt des Vereinslebens soll nicht unerwähnt bleiben.
So wurde z.B. im August 2001 eine Familienwanderung durch die Mädels der Garde mit tollen Einfällen und Überra­schungen organisiert. Sie führte über Altenberg mit Zwischenstopp und Imbiss weiter Richtung Zinn­wald. Auf dem Schießstand der Biathleten im Hof­mannsloch wurde der beste Schütze ermittelt.


Das anschließende Suchen von Pilzen (der Sorte „Kräuter­bitter mit Semmelhaube“) und die Rückfahrt nach Gei­sing in den Sportgarten mit der Bimmelbahn waren ein einziges Gaudi. In einem Volleyballspiel Prinzen­garde gegen Elferrat wurde dann entschieden, wer am nächsten Tag den Sportgarten aufzuräumen hatte. Knapper und fairer Verlierer waren schließlich die Mädels von der Garde.

Wegen der Flutkatastrophe am 12.08. wurde im Sep-tember 2002 anstelle der geplanten Familienwanderung kurzerhand ein Arbeitseinsatz organisiert. Mit vereinten Kräften brachte man den zerstörten Talrandweg vom Sportplatz bis zum Häuerwasser in Ordnung.

Die Breite und Vielfalt, des „Lebens“ des Geisinger Ski- und Eisfaschings wird durch die Mitwirkung aller Beteiligten nachfolgender Aufgabenbereiche sichtbar, denen immer wieder unser Dank gilt.

*… Zitat aus der Festtagszeitung zum 60. Jubiläum des Geisinger Ski- & Eisfaschings: Ski- & Eisfasching Geising, 1948 – 2008, 60 Jahre Faschingstradition im Erzgebirge